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Die Helm-Maskenkombination HMK

Bild: Schuberth GmbH

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Technische Richtlinie (Februar 2011) Buch: PTI, fotolia

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Seitlich angebrachte Schaniere Bild: Schuberth GmbH

Bilder: Avon Protection

Bild: fotolia

Bild: Avon Protection

Bild: CeoTronics

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Helmtasche, Bild: Schuberth GmbH

 

Historie: Der Vorgänger des heute zumeist im Einsatz befindlichen Einsatzhelm P100F, der P100A, wurde nach der „Technischen Richtlinie für ein modular aufgebautes System – Schutzhelm, Hör-/Sprechgarnitur, Atemschutzmaske – vom August 1992 (TR92) entwickelt. 

 

Auf Grund von Brandlagen bei Einsätzen u. a. 1994 auf der Autobahn 5 bei Langen kam es bei der hessischen Polizei zu For­derungen nach flammhemmender Schutzausrüstung; die neuen Anforderungen für den Helmbereich wurden in den „Techni­schen Lieferbedingungen Polizei (TLP Z3- 4-20420)“ zusammengefasst. Die dadurch ausgelöste technische Verbesserung vom P100A zum P100F wurde ab 2001 zügig von allen deutschen Polizeien übernommen und mit großem Erfolg eingesetzt. Auch im Ausland fand diese Entwicklung zunehmen­de Akzeptanz; aktuelle Einsatzbilder aus Griechenland zeigen beeindruckend das hohe Schutzniveau. 

Diese „Lessons-learned“ aus der Praxis, Diskus­sionen um den zukünf­tigen Einsatz der Atemschutzmaske, interne Strukturveränderungen an der Deutschen Hochschule der Poli­zei (DHPol), aber auch neue Prüfverfahren der Vereinigung der Prüfstellen für an­g r i ff s h e m m e n d e Materialen (VPAM – KDIW 2004 Prüfrichtlinie „Stich-und Schlagschutz“) veranlassten das Spezialistenteam des Polizeitechnischen Instituts (PTI), eine neue Technische Richtli­nie zu erstellen, die mit Zustimmung der In­nenministerien des Bundes und der Länder im Februar 2011 in Kraft trat. 

 

Da auch diese TR wieder eine Helm-Mas­ken-Kombination (HMK) vorsieht, die zulassungstechnisch nur von einem Schutzmaskenhersteller beim entsprechenden Prüfinstitut vorgestellt werden kann (Der Helm gilt bei der Prüfung nur als eine Art spezielle Bebänderung zur Befestigung am Kopf.), bedeutete dies für den Schutzhelmhersteller Schuberth, sich marktbedingt einen Maskenpartner suchen zu müssen. Nach langer, intensiver Suche wurde mit der Firma AVON ein optimaler Partner ge­funden, dessen Produktpalette eine exakt zu den zukunftsweisenden Systemideen von Schuberth passende Schutzmaske beinhaltete. 

Neben der Schutzmaske war allerdings auch ein Kommunikationssystem gefordert, das den außergewöhnlichen Anforderungen entspricht. Hier konnte die Firma Ceo- Tronics, innovativer Hersteller professioneller Kommunikationssysteme und lang­jähriger Schuberth-Partner, mit seiner gan­zen Erfahrung punkten. 

 

Der neue Schuberth-Einsatzhelm P100N 

Grundsätzliche Anforderung aus der Polizei war der längerfristige logistische Support des bereits im Einsatz bzw. aktuell in der Beschaffung befindlichen Helmtyps P100F. 

Auch ein homogenes Design, um den Ein­satz beider Helmmodelle zusammen zu ermöglichen, ohne den „uniformen“ Aspekt zu beeinträchtigen, wurde gebeten. 

Somit war klar, das Designänderungen und Produktoptimierungen nur in Details statt­finden konnten: 

Zur Gewichtsoptimierung und zur Er­reichung des geforderten, erweiterten Größenbereichs von Größe 46/47 bis Größe 66/67 wurde es notwendig, zukünf­tig drei Helmschalengrößen einzusetzen statt bisher nur einer. Dadurch konnte das Helmgewicht je nach Größe um bis zu 500 Gramm gesenkt werden; selbst der P100N in der Größe 66/67 ist noch 100 Gramm leichter als ein P100F! Somit ist gewährleis­tet, dass jeder Beamte bzw. jede Beamtin einen Schutzhelm mit maximalem Schutz, minimalem Gewicht und ergonomisch an­gepasster Größe (Vermeidung des „Calime­ro-Effektes“; eines zu großen Helmes auf einem kleinen Kopf) erhält. 

Zur Gewichtsreduzierung trägt auch der Wegfall der Pinlockscheibe bei, die durch eine Antibeschlagbeschichtung auf der Vi­sierinnenseite ersetzt wurde. Das einsatz­bewährte Pinlockvisier ist aber weiterhin optional erhältlich.

 

Die Innenausstattung wurde verbessert und ist zukünftig antibakteriell ausgerüstet, um den weiter gestiegenen Hygieneforde­rungen im Einsatz gerecht zu werden. 

Am Kinnriemen wurde das Drucktasten­schloss durch ein im Schuberth-Motorradhelmbereich bereits bewährtes Ratschenschloss ersetzt, so dass z. B. in Ruhephasen der Kinnriemen einfach gelockert bzw. beim Anlegen einer Sturmhaube oder der Schutz­maske schnell angepasst werden kann. 

Zum Lieferumfang des P100F gehört eine separate Koppelschlaufe. Auf Grund vieler Lieferanfragen zeigte sich, dass die­se im Einsatz immer wieder verloren wird. Daraufhin wurde die Transportaufhän­gungsfunktion nach dem Vorbild des Bal­listischen Schutzhelms 04 der Schweizer Armee dauerhaft in den Helm integriert. Im Nackenbereich ist nun eine Schlaufe mit D-Ring befestigt, mit der der P100N in ver­schiedenster Weise im Einsatz mitgeführt werden kann (z. B. Koppelschlaufe mit Ka­rabinerhaken, Kabelbinder, Schlaufe an der Einsatzbekleidung etc.). 

Die Kinnschutzkappe muss zukünftig entfallen, da die erhöhte Abstreifgefahr des Kinnriemens dem PTI nicht mehr vertretbar erschien. 

Als Zubehör werden weiterhin ein Helmbe­zug (nun nicht mehr in Einheitsgröße, son­dern in drei Größen), eine Helmtasche, ein Lackreparaturstift und ein Individualpolster­set angeboten. 

 

Kinnbügel P100N 

Aus der Einsatzpraxis gab es trotz des hohen Schutzniveaus und der damit ver­bundenen Akzeptanz des bisher genutzten Kinnbügels zwei wesentliche Forderungen zur Optimierung: 

  • Der Sichtbereich nach unten wurde als nicht ausreichend bewertet (z. B. beim Herabsteigen auf Stadiontreppen oder Gehen im Gleisbett bei Zugbegleitun­gen). Dies konnte nur durch den Einsatz von transparentem Material mit ei­ner Antibeschlagbeschichtung gelöst werden. 
  • Der Kinnbügel muss im Einsatz besser verstaubar sein, wenn er nicht eingesetzt werden soll bzw. darf. Durch seitlich angebrachte Scharniere konnte eine Faltung erreicht werden, so dass sich die gekrümmte Form des Kinnbügels sehr gut der Beinkontur beim Verstauen in den Oberschenkeltaschen der Einsatz­bekleidung anpassen kann. 

Da das PTI den Einsatzerfahrungen der hessischen Polizei auch im Zubehörbereich gefolgt ist, verlangt die TR zusätzlich eine angemessene Flammhemmung für den Kinnbügel. Diese Forderung konnte nur mit erhöhtem Aufwand und dem langjährigen Know-how der Firma Schuberth umgesetzt werden. 

Der neue Kinnbügel verfügt weiterhin über den mit der Bayerischen Polizei für das Vor­gängermodell entwickelten Notöffnungs­mechanismus, der den Kinnbügel bei zu starkem Angriff abreißen lässt, so dass der Helmträger/die Helmträgerin nicht vom poli­zeilichen Gegenüber im Gerangel gefährdet werden kann. 

Da diese neue, erstmals auch nach TR ge­prüfte Konstruktion bei den Erprobungen große Zustimmung fand, hat Schuberth auch ein für den P100F angepasstes Mo­dell entwickelt, so dass bereits im Einsatz befindliche Helme nachgerüstet werden können.

 

Des Weiteren hat Schuberth einen Blend­schutz zum Ablöschen von Pyrotechnik für die bei der Bereitschaftspolizei eingesetzten P100F entwickelt. Dieses Zubehör kann selbstverständlich bei entsprechendem Bedarf auch für den P100N angeboten werden. 

 

Die AVON-Schutzmaske HM50 

Bei diesem Maskentyp handelt es sich um eine im militärischen Bereich bereits in gro­ßen Stückzahlen eingesetzte und bewährte CBRN-Schutzmaske der neusten Bauart mit beidseitiger Filteranbringungsmöglich­keit mit Standard-Rundegewindeanschluss. Auch bei der Maske gibt es drei Größen, eine Größenschablone hilft bei der richtigen Wahl der Maskengröße. 

Die Maske wird mit einem speziellen Ad­apter am Helm befestigt und kann so in typischen Riot Control Lagen eingesetzt werden. Dazu wird optional ein gewichtsop­timierter Tränengasfilter angeboten. 

Damit die Maske in Bereitsschaftssituatio­nen schneller und einfacher angelegt wer­den kann, verfügt sie über einen um den Hals zu tragenden Umhängeriemen. 

Am Adapter kann aber auch eine moderne Bebänderung angebracht werden, so dass die Schutzmaske ohne oder unter dem Helm als vollwertige CBRN-Schutzmaske getragen werden kann. Für derartige Ein­sätze sind natürlich auch andere, spezielle Filter erhältlich. 

Die Maske verfügt weiterhin über ein Feeding-System, das mit einer speziellen Feldflasche oder dem CBR50i Camelbak- Reservoir genutzt werden kann. 

Auch ein Sprachverstärker kann an der HM50 an­gebracht werden, so dass rechts­sicher mit dem polizeilichen Ge genüber kommuniziert oder auch ein Megafon genutzt werden kann.

Zum Schutz der Augen stehen für die HM50 auch verschiedene Vorsatzscheiben zur Verfügung: klar, UV-Schutz, Blueblocker und Laserschutz. 

Für Brillenträger wird ein entsprechender, einfach zu montierender Maskenbrillenein­satz angeboten. 

Zur Erfüllung der TR-Forderung, dass auch bei Bewegungen des Trägers die Schutz­maske nicht mit dem Visier in Berührung kommt, werden von Schuberth entspre­chende Visierclipse angeboten, damit den unterschiedlichen Gesichtsanatomien Rechnung getragen wird. 

 

Die CeoTronics-Hör-/Sprech-Garnitur 

Bei der Hör-/Sprechgarnitur handelt es sich um ein CT-Neckband Headset – ein sogenanntes helmunabhängiges Kommu­nikationssystem – durch das der Träger/ die Trägerin auch in den Einsatzphasen, in denen der Einsatzhelm nicht getragen wird, über die geforderte Funkanbindung verfügt. Dieses Nackenbügel-Headset, staub- und spritzwassergeschützt mit einem Gewicht von nur 22 Gramm, hat sich bereits seit eini­gen Jahren im Einsatz bewährt. CeoTronics hat sehr viel Kompetenz und Erfahrung, um diese Systeme an die im Polizeieinsatz be­findlichen Funksysteme anzubinden. 

Die neue TR setzt aber derart hohe Maßstä­be bzgl. der Flammhemmung, so dass bei der Konstruktion des Schwanenhalses völ­lig neue Wege gegangen werden mussten, um ein bisher nicht erreichtes Schutzniveau, umsetzen zu können. Dank der langjährigen Erfahrung gelang es der Firma CeoTronics dieses hohe Schutzniveau durch eine neue Gehäusekonstruktion zu erreichen, ohne dass bei der Funktionalität Abstriche ge­macht werden mussten. Das Lightweight- Headset überzeugt aber nicht nur durch seine Funktion, sondern auch beim Tra­gekomfort. Durch den Spezialdrahtbügel kann das CT-Neckband Headset individuell an jede Kopfform angepasst werden und verhindert so auch bei Einsätzen von langer Dauer unangenehme Druckstellen. 

Mit der HMK150 wird erstmalig ein Schutzniveau nach neuer TR zertifiziert, das es so noch nicht im Polizeibereich gab. Durch innovative Verbesserungen, modernste Konstruktion und den Einsatz hochwertigster Werkstoffe werden nicht nur Sicherheit und Komfort weiter erhöht, sondern auch ein System mit allen Voraussetzungen für einen langen Produktlebenszyklus im Polizeidienst eingeführt. 

Lothar Schuster

 

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