< Taktische Tachenlampe für hohe Ansprüche

MP5 Midlife-Improvement

Abb. 1

Abb. 2

Abb. 3

Abb. 4

Abb. 5

Abb. 6

Abb. 7

Abb. 11

Abb. 12

Abb. 13

Abb. 14

Abb. 15

Abb. 16

Abb. 17

Abb. 18

Abb. 19

Abb. 20

Abb. 21

Von Marc Roth[1]

Die MP5 ist die am weitesten verbreitete Maschinenpistole der Polizeien des Bundes- und der Länder. Dort ist diese seit ca. Mitte der 1960er Jahre in einer mittlerweile sechsstelligen Gesamtstückzahl im Einsatz. Schon aufgrund dieser großen Menge stellt die MP5 in zahlreichen Varianten bis heute unverändert die Standard-„Langwaffe“ der deutschen Polizei dar und wird voraussichtlich noch viele Jahre zum Handwerkszeug des uniformierten Beamten gehören – auch weil aus zahlreichen Gründen nicht alle Beamten mit den neuen sog. „Mitteldistanzwaffen (MDW)“ in den Kalibern 5.56mm x 45 und/oder 7.62mm x 51 ausgestattet werden.

 

In der Folge werden in zahlreichen Beschaffungsbehörden der deutschen Polizei verschiedenste konzeptionelle Ansätze verfolgt und teilweise auch schon realisiert, die die Modernisierung bzw. Leistungssteigerung der Waffenplattform MP5 zum Gegenstand haben.

Der nachfolgende Beitrag soll eine Hilfestellung und Anregungen für Modernisierungsoptionen bieten und gleichzeitig als praktischer Leitfaden dazu dienen, besonders relevante technische Merkmale der MP5 bei der Befundung der zur Modernisierung vorgesehenen Waffen und Realisierung der Upgrade-Konzepte besonders in den Fokus zu rücken.

 

Blick zurück – die Anfänge der Maschinenpistole in der deutschen Polizei der Nachkriegszeit

Im westlichen Teil Deutschlands erfolgte die Bewaffnung der Polizei mit Maschinenpistolen zunächst eher zögerlich, da die Alliierten der Polizei nur die Nutzung von Kurzwaffen gestatteten – das Misstrauen war mit Blick auf den erst kurz zuvor beendeten 2. Weltkrieg mit einer praktisch militärisch ausgerüsteten und operierenden deutschen Polizei wohl zu groß.

 

Die normative Kraft des Faktischen – der polizeiliche Alltag – beendete diese Vorbehalte dann doch recht zügig und je nach Besatzungszone und Waffenverfügbarkeit erfolgte die Ausrüstung der jungen deutschen Polizei mit MP38 und MP40 aus Beständen der ehemaligen deutschen Wehrmacht, aber vor allem auch mit Waffen aus „Hilfslieferungen“ der Besatzungsmächte, wie zum Beispiel der britischen Sten-MP. 

 

Die Beretta Mod. 38/49 war dann die erste eigenständige Neubeschaffung der deutschen Polizei. Sie besaß jeweils einen eigenen Abzug für Einzel- und Dauerfeuer, sowie einen Mündungskompensator ähnlich dem der amerikanischen Thomson-MP. Die spanische DUX-53-MP, welche auf der finnischen MP Modell 44 bzw. der russischen PPS-43 basierte, gab wegen ihrer technischen Defizite ein eher kurzes Gastspiel im polizeilichen Alltag.

 

Die Ende der 1950er Jahre als Maßnahme der Aussöhnungspolitik des Bundeskanzlers Adenauer, auf maßgebliches Betreiben des damaligen Verteidigungsministers Franz-Josef Strauß für die Bundeswehr unter der Bezeichnung MP2 beschaffte UZI-MP, stellte aufgrund ihrer ebenso zahlreichen wie teilweise lebensgefährlichen konstruktiven und fertigungstechnischen Mängel, und nicht zuletzt auch wegen ihres großen Gewichts von rund 4kg (im geladenen Zustand) keine realistische Option für eine polizeiliche Nutzung dar. 

 

1963 brachte dann die Fa. Walther unter den Bezeichnungen MPL[2] und MPK[3] jeweils ein kurzes und langes MP-Modell auf den Markt. Mit ca. 3.2kg wies die MPL ein akzeptables Leergewicht auf und fand in der Polizei auch Akzeptanz. 

 

Ab 1963 begann auch bei Heckler & Koch eine MP-Entwicklung im Kaliber 9mm x19, welche mindestens bis Juli 1964 unter der Bezeichnung HK9 geführt wurde.[4] Ab 1965 wurde das Projekt dann in HK54 umbenannt, da HK inzwischen den bis heute genutzten HK-Produktschlüssel für alle Langwaffen einführte, wobei die 50er Nummern die Waffenkategorie der Maschinenpistolen kennzeichnen und die Nummer 4 für das Kaliber 9mm x 19 steht. 

 

Zunächst war geplant die HK54 sowohl im Pistolenkaliber 9mm x 19, als auch im Revolverkaliber .38 Special zu realisieren,[5] da zu dieser Zeit Revolver in diesem Kaliber in der Polizei weltweit sehr verbreitet waren. Jedoch wurde dieser Ansatz spätestens im Januar 1966 aufgegeben und ab dann die Entwicklung ausschließlich auf das Kaliber 9mm x 19 beschränkt.[6] Die Gründe hierfür waren die absehbare Durchsetzung der Patrone 9mm auf dem Polizeimarkt, die damit einhergehende Abdeckung des Militär- und Polizeimarktes mit nur einem Produkt, die mangelnde ballistische Leistungsfähigkeit der Patrone .38 Special, sowie die absehbare funktionale Problematik der Nutzung der .38-Hülse mit Rand in einem (voll)automatischen Waffensystem.

 

Ab spätestens Juli 1966 trug die HK54 für eine gewisse Übergangszeit dann bereits parallel die offizielle Behördenbezeichnung MP5.[7]

 

MP5, die wohl bekannteste Maschinenpistole der Welt - nachhaltige Nutzerakzeptanz seit Jahrzehnten

Die MP5 ist mit über 50 Jahren seit Serienbeginn nicht nur das weltweit bekannteste, sondern auch das am längsten in ununterbrochener Produktion befindliche Heckler & Koch-Produkt. Zum Vergleich: das Sturmgewehr G3 war „nur“ 30 Jahre bis zum Oktober 1988 in Produktion.

 

Als die MP5 in ihrer Standardversion mit langem Rohr Mitte der 1960er Jahre bei Heckler & Koch in Serie ging, war die Nachfrage am Markt noch eher überschaubar. Es existierten noch große Mengen an älteren Modellen in den Beständen und die Notwendigkeit einer Polizei-MP im damals eher beschaulich wirkenden Alltag der jungen Bundesrepublik wurde unterschiedlich bewertet.

 

Dies änderte sich Anfang der 1970er Jahre praktisch „über Nacht“ mit dem aus dem Baader-Meinhof-Terrorismus resultierenden operativen Druck, insbesondere der praktisch omnipräsenten Risikoszenarien für Streifenpolizisten, u.a. bei scheinbar gewöhnlichen Fahrzeugkontrollen, da jeder uniformierte Beamte praktisch überall und zu jeder Zeit mit terroristischen und gewaltbereiten Personen rechnen musste. 

 

Zeitlich hierauf aufsetzend wurde der nationale wie internationale Durchbruch der MP5 vor allem durch zwei spektakuläre Anti-Terror-Einsätze eingeleitet:

 

Im Oktober 1977 befreite die GSG9 mit der Operation „Feuerzauber“ in Mogadischu/Somalia bei Nacht die von Terroristen bereits zur Sprengung vorbereitete Lufthansa-Maschine „Landshut“ und rettete alle Geiseln lebend. Für die meisten Terroristen realisierte sich hingegen deren berufstypisches Risiko. Bei diesem Einsatz kamen neben den Heckler & Koch-Pistolen P7 und P9S auch alle drei Varianten der MP5 zum Einsatz: die MP5 in der Standard-Ausführung wie sie bis heute bei allen deutschen Polizeien verbreitet ist, die MP5SD mit integriertem Schalldämpfer, sowie die kompakte MP5k. Da diese Aktion ein legendärer Erfolg war, begründete sie den weltweiten Ruf der GSG9 und damit auch der MP5.

 

1980 befreite dann der britische SAS im Rahmen der Operation „Nimrod“, welche von außen durch TV-Kameras teilweise gefilmt wurde, die ebenfalls von Terroristen besetzte iranische Botschaft in London am Princess Gate und rettete hierbei eine große Anzahl von Geiseln. Hierbei setzte der SAS ebenfalls die Standard-MP5, sowie die MP5k ein. Der überwältigende Erfolg wurde auch in keiner Weise durch den Umstand getrübt, dass sich ein SAS-Operator während der Aktion mit seiner MP5k zwei Finger abschoss, da er diese – wohl durch den Einsatzstress bedingt – vor die Mündung seiner extrem kompakten MP5k gelegt hatte als er einen Terroristen beschoss. Damit war belegt, dass es sich bei der MP5k – im Gegensatz zur Standard-MP5 der deutschen Polizei - um eine ausbildungsintensive Spezialistenwaffe handelt. 

 

Da beide Aktionen mit intensiver medialer Begleitung von zwei der weltweit renommiertesten Anti-Terror-Einheiten mit sehr großem Erfolg durchgeführt worden waren, wäre keine bessere Werbung für die MP5 denkbar gewesen. 

 

Ausgangsbasis: häufig Misch-Konstruktionsstände aus den 1960er bis 1980er Jahren

In Deutschland hielt die RAF vor allem in den 1970er und 1980er Jahren die deutsche Polizei in Atem, was zu sehr großen Beschaffungsmengen an Standard-MP5 bei allen Polizeien des Bundes und der Länder führte. Viele dieser Waffen bilden nun die Basis für leistungssteigernde Konzeptionen und Maßnahmen.

 

Abb 1 und 2: Die beiden „Ur-Modelle“ der MP5, welche in großen Stückzahlen in den 1960er und 1970er Jahren durch das BMI und viele Länderpolizeien beschafft wurden.

Abb. 3: Der „Status quo“ – diese Waffenkonfiguration der MP5 ist in der deutschen Polizei sehr weit verbreitet und stellt daher in der Masse der Fälle die Ausgangsbasis für Upgrade-Konzepte dar.

Abb. 4: Diese „historische“ Baugruppenübersicht verdeutlicht das große Potenzial für Maßnahmen zur Leistungssteigerung der Waffenplattform MP5.

 

Von Gewährleistung bis Nachteinsatzfähigkeit - formale und konzeptionelle Grundsatzerwägungen vor der Realisierung von Upgrade-Programmen 

Da die Stahlblechkonstruktion der MP5 sich durch eine außerordentliche Langlebigkeit auszeichnet und praktisch jeder Polizeibeamte, insbesondere auch das Werkstatt-Personal, an ihr ausgebildet ist, stellt die MP5 eine betriebswirtschaftlich, logistisch und ausbildungsmäßig ebenso naheliegende wie sinnvolle Basis für leistungssteigernde Umbau- und Nachrüst-Konzeptionen dar.

 

Die Zahl der Zubehör-Anbieter für die MP5 ist aufgrund ihrer weiten Verbreitung inzwischen zwar zahlreich, jedoch ist nur die geringste Zahl dieser Fremdzubehörteile durch den Waffenhersteller Heckler & Koch zugelassen worden. Was sich bei Nachrüstmaßnahmen für Spezialkräfte in kleinen Stückzahlen für einen noch dazu besonders gut qualifizierten Anwenderkreis gewährleistungsmäßig noch tolerieren lassen bzw. im worst case in einer Grauzone bewegen mag, stellt bei Nachrüst- und Umbaumaßnahmen für die große Masse der regulären Polizeikräfte ein häufig unterschätztes juristisches Thema dar.

 

Im Grundsatz ist zu beachten, dass jedes Zubehörteil, welches nicht vom Waffenhersteller stammt oder von einem Dritten hergestellt und vom Waffenhersteller zur Verwendung freigegeben wurde, bei Montage an der Waffe praktisch zum Erlöschen der Gewährleistung für die gesamte Waffe führen kann und in der Regel auch wird. Da die Gewährleistung gemäß vieler „Technischer Lieferbedingungen (TL)“ (welche Vertragsbestandteil sind) nicht nur an einen Zeitablauf, sondern auch an eine Schusszahl gekoppelt ist, kann dies auch bei relativ alten Waffen mit geringer Schussbelastung ein unvermindertes Problem darstellen. 

 

Neben der Gewährleistungsthematik bestehen parallel noch produkthaftungsrechtliche Risiken, welche durch die Verwendung von nicht durch den Waffenhersteller freigegebenen Anbau- oder Austauschkomponenten gesetzt werden können. Versagt die Waffe im Einsatz in einer nicht durch den Waffenhersteller freigegeben Konfiguration und erleidet der Beamte in der Folge Schäden an Leib oder Leben (bspw. weil er sich nicht mehr wehren konnte und der Angreifer ihn/sie in der Folge verletzten konnte) oder werden Dritte geschädigt (bspw. durch eine unbeabsichtigte Schussauslösung, Fehlschüsse durch lose Optikhalter oder mangelhafte Optiken/Visiere) stellen sich sehr schnell komplexe Haftungs- bzw. Regressfragen. Waffenhersteller als auch Zubehörlieferant werden sich darauf berufen, jeweils mangelfrei hergestellte Ware geliefert zu haben, für die Verwendung im Rahmen einer jeweils durch die Behörde generierten Waffen-Zubehör-Konfiguration jedoch nicht haftbar zu sein. 

 

Von der Verwendung von Waffen(anbau)teilen, welche nicht vom Waffenhersteller hergestellt oder freigegeben wurden ist daher grundsätzlich aufgrund der Gewährleistungs- und Haftungsrisiken dringend abzuraten. 

 

Abb. 5 und 6: Hier wird die MP5 mit den drei wesentlichsten Upgrade-Komponenten gezeigt, welche von außen sichtbar sind – verstärkte und verstellbare Schulterstütze, auf dem Gehäuse eine universelle Pica-Optikschiene und vorne der modulare HKey-Handschutz mit beispielhaft montierten Pica-Schienen-Abschnitten verschiedener Längen. Wie die Schulterstütze können auch Visierschiene und Handschutz ohne Nacharbeit an jeder MP5 montiert werden und haben eine absolut spielfreie Passung, um für Optiken und Laser eine hohe Wiederholgenauigkeit zu gewährleisten.

 

Abb. 7: Weit mehr als nur ein „Face Lift“ – das Bild zeigt die zweite Farbvariante RAL8000-grünbraun der „MP5-MLI“[8]. Die leichten Farbunterschiede lassen insbesondere die Upgrade-Komponenten Pica-Visierschiene und HKey-Handschutz mit montierten Pica-Schienen gut erkennen. Der vertikale Haltegriff vorne erhöht nicht nur die Kontrollierbarkeit der Waffe beim Rückstoß und erhöht den ergonomischen Komfort, sondern bietet vor allem die Option den Tastschalter für das Laser-Licht-Modul aufzunehmen. Sofern dies nicht der Fall sein sollte, ist der Griff an dieser Stelle standardmäßig mit einem Blindstück versehen, so dass der Griff seine runde Geometrie behält.

 

Abb. 8: MP5-MLI für polizeiliche Auslandseinsätze in der Bundeswehr-Standardfarbe RAL8000 (grünbraun). Gerade in sehr heißen Regionen macht es sich für den Nutzer durchaus bemerkbar, sofern er eine schwarze Waffe führt, welche sich sehr schnell durch die Sonneneinstrahlung erhitzt und bei der Waffennutzung mit bloßen Händen sogar zu leichten Verbrennungen führen kann. Die relativ helle Farbe RAL8000 bietet insofern Vorteile – ebenso wie bzgl. des Tarneffekts in entsprechender Umgebung, da schwarz als Farbe in der Natur recht selten vorkommt.

 

Gehäuse mit Waffenrohr - Patronenlager mit 12 und 16 Rillen

Kernstück der Waffe – auch kostenmäßig – ist neben dem Verschluss das Rohr mit Gehäuse. 1988 wurde die Patronenlagergeometrie dahingehend geändert, dass die Zahl der Entlastungsrillen von 12 auf 16 erhöht wurde, um die Funktionssicherheit weiter zu steigern.

Bestandswaffen mit 12-Rillen-Rohren sind daher als Basiswaffen für Aufrüstmaßnahmen nicht empfehlenswert, schon deshalb, weil eine unterschiedliche Waffenfunktion bei identischer Munitionssorte bzw. –los nicht ausgeschlossen werden kann. 

 

Verschlussträger und Schließfederführungsstange

Alle wesentlichen Verschlusskomponenten wurden im Laufe der Jahrzehnte kontinuierlich verbessert - je nach (Misch)konstruktionsstand der behördlichen Bestandswaffen, sollten daher nicht nur Verschlusskopf[9], der Verschlussträger[10] oder das verstärkte Federführungsrohr[11], sondern ggfs. der vollständige Verschluss[12] ausgetauscht werden.

 

Verschlusskopfvarianten - steiler Zuführwinkel trifft auf uneinheitliche Ogivenformen deutscher Polizeigeschosse für Ausbildung und Einsatz

Da die Konstruktion der MP5 als zweitem Mitglied der sog. Rollenverschluss-Waffenfamilie direkt aus der des Gewehrs G3 abgeleitet wurde, wurde auch dessen steiler Zuführwinkel der Patronen in das Patronenlager übernommen. Da die Ogiven der Deformationsmunition teilweise recht stark von der NATO-Standard-Ogivenform abweichen, für welche die MP5 ursprünglich entwickelt worden war, waren Funktionsprobleme vorprogrammiert. Beispielhaft seien hier das MEN-QD1-Geschoss mit extrem balliger Ogive und das MEN-PEPII- bzw. PEP 2.0-Projektil mit extrem flacher Ogive bzw. nahezu konischer Ogive genannt. 

 

Die Gründe für die vom NATO-Standard abweichenden Geschossformen der deutschen Polizei-Deformationsgeschosse sind im Wesentlichen zweierlei:

 

1.)    Die Technische Richtlinie für die Polizeipatrone 9mm x 19 normiert – im Gegensatz zur NATO-STANAG für die Patrone 9mm x 19 – leider keine Geometrie der Geschossogive, sondern stellt diese faktisch alleine in das Ermessen des jeweiligen Munitionsherstellers.

 

2.)    Aufgrund der strikten „Non-Tox-Doktrin“ bzgl. der absoluten Bleifreiheit von Polizei-Einsatz-Munition sind die Munitionshersteller praktisch dazu gezwungen, Vollgeschosskonstruktionen zu wählen, welche in der Regel aus Messing- oder Tombak-Legierungen bestehen. Die beiden letztgenannten Materialen haben ein wesentlich geringeres spezifisches Gewicht als Blei. In der Folge hätten die Non-Tox-Projektile bei identischer Außengeometrie eines Vollmantel-Weichkern-Geschosses ein deutlich geringeres Gewicht. Dies führt wiederum bei allen rückstoßabhängigen Waffenantriebsarten zu einer verminderten Funktion. Um das Gewicht der Non-Tox-Geschosse zumindest geringfügig anzuheben, wurden bzw. werden teilweise deutlich balligere Geschossogiven gewählt als die für Geschosse mit Bleikern normiert wurden. Trotzdem bewegen sich die bleifreien Deformationsgeschosse in der Regel nur bei einem Gewicht von ca. +/- 6 Gramm, gegenüber ca. 8 Gramm von NATO-Vollmantel-Weichkern-Geschossen.

 

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass aufgrund eines fehlenden Ogiven-Standards der „TR Polizeipatrone“ in Verbindung mit den zwingenden Non-Tox-Materialien, seit Aufkommen dieser Munitionstypen in der RAF-Zeit der späten 1970er Jahre eine Vielzahl von Geschossogiven durch die Munitionsindustrie realisiert wurden, welche sich zum großen Teil – und sei es auch nur vereinzelt bei polizeilichen Spezialkräften – bis heute im Einsatz befinden.

 

Aus einer Vielzahl von Geschossogiven resultiert waffenfunktional eine ebenso große Anzahl unterschiedlicher Zuführszenarien, was für den Anwender grundsätzlich Risikofelder eröffnet, welche es im Laufe der Jahrzehnte konstruktiv zu adressieren galt.

Man unterscheidet drei Grundversionen der MP5-Verschlussköpfe, welche sich an der Stirnseite, die den Patronenboden hält, insbesondere in folgenden Merkmalen unterscheiden:

 

1.)    Leichte Zuführschrägen (Optik der Stirnfläche ähnlich G3-Verschlusskopf)

 

2.)    Ausgeprägtere Zuführschrägen (Angesenkter Rand der radialen Aussparung für den Patronenboden)

 

3.)    Mit stark ausgeprägten Zuführschrägen an der Stirnseite (neuester Konstruktionsstand)

 

Heute wird ausnahmslos die 3. Variante empfohlen, da diese die höchste Munitionsverträglichkeit gewährleistet.

 

Verschluss-Steuerstücke für verschiedene Geschossgewichte

Die früher üblichen Steuerstücke mit Winkeln von 110° und 120° sind inzwischen hinfällig und sollten in Verbindung mit modernen TR-Munitionssorten nicht mehr genutzt werden. Für die Munitionssorten Action 1 und 3 wurde bisher häufig das Steuerstück mit einem Winkel von 115 Grad genutzt.

 

Aktuell wird für die TR-Vollmantel-Weichkern-Patrone (Geschossgewicht 8g), sowie die meisten gängigen Non-tox-Deformationsmunitionen nach TR, wie z. B. die RUAG Action 4, das Standard-Steuerstück mit 100 Grad genutzt. Entsprechen erfolgten auch einige der jüngsten größeren MP5-Nach- und Ersatzteilbeschaffungen durch eine große Polizei des Bundes, sowie eine große deutsche Länderpolizei, mit Verschlüssen, welche mit 100 Grad-Steuerstücken ausgestattet sind.

 

Griffstücke – nahezu alle denkbaren Varianten wurden realisiert

Unter der Bezeichnung MP5Z führten u.a. die Bundesländer Baden-Württemberg und NRW eine spezielle Griffstückkonfiguration ein, welche beim Entsichern das unbeabsichtigte Durchschalten auf Dauerfeuer mittels mechanisch zu entriegelnder Sperre verhindert. Zunächst wird hierbei wie gewohnt von Stellung „Sicher“ in Stellung „Einzelfeuer“ geschaltet. Um von dort in die Stellung „Dauerfeuer“ zu gelangen, muss dann die Achse des Feuerwahlhebels horizontal eingedrückt werden; erst dann kann weitergeschaltet werden. Gerade in Hochstress-Situationen wie einer Terrorlage ist dies zur Vermeidung von Kollateralschäden durch unbeabsichtigte Feuerstöße von großem Vorteil.

 

Darüber hinaus sind neben der ursprünglichen Standard-Griffstücke mit den Stellungen „Sicher“, „Einzelfeuer“ und „Dauerfeuer“ im Laufe der Jahrzehnte nahezu alle denkbaren Kombinationen von Feuerarten realisiert worden, insbesondere auch solche mit Schusszahlbegrenzern für Feuerstöße zu jeweils zwei bzw. drei Schuss. Auch reine Einzelfeuergriffstücke fanden vor allem international bei Polizeinutzern immer mehr Zuspruch, da gerade im urbanen Umfeld, in der Regel dem gezielten Einzelschuss gegenüber nahezu unkontrollierbaren Feuerstößen der Vorzug gegeben wird.

 

Vor allem für den Einsatz unter extremen Stressbedingungen sowie für den Einsatz mit Handschuhen werden auch vergrößerte Sicherungs-/Feuerwahlhebel angeboten, welche sich aufgrund erheblich verbesserter Ergonomie ohne Umgreifen bzw. Änderung der Handposition bedienen lassen.

 

Abb. 11: Derartig verlängerte Ergo-Sicherungs-/Feuerwahlhebel gibt es in zwei Ausführungen und sind u.a. bei der schwedischen Polizei seit Jahren ein Standard-Bauteil der dort genutzten MP5-Varianten.[13]

 

Schulterstützen und Bodenstücke erhöhen Ergonomie und Gehäuselebensdauer

 

Abb. 12: Diese Variante der einschiebbaren Schulterstütze der MP5 ist nicht nur im Bereich der Schulteranlage massiv verstärkt, sondern erlaubt neben der eingeschobenen Position noch drei weitere Rastpositionen. Derartige Zwischenstellungen sind insbesondere bei dicken Schutz- und Mehrzweckwesten, sowie geringeren Körperabmessungen vollkommen alternativlos, um eine sichere Nutzung der Waffe – gerade in Stresssituationen – zu ermöglichen. Mit dem neuen Bodenstück dieser Schulterstütze wird auch das alte Problem eliminiert, dass durch zu starkes Einziehen in die Schulter über die Streben der Schulterstütze ein derart großer Hebel auf die Führungsnuten des Waffengehäuses ausgeübt wird, dass die resultierende Deformation zu starker Gehäusebeschädigung bis hin zum Steckenbleiben des Verschlussträgers in der hinteren Stellung während des Schießens führen kann.

 

Spezielle „Helm“-Schulterstützen – „Function dictates form“

 

Abb. 13 - 15: Diese drei Abbildungen zeigen die neue sog. HK-Helmschulterstütze, welche in enger Zusammenarbeit mit der französischen Polizei für sehr lange ballistische Helmvisiere konzipiert wurde. Sie ist längenverstellbar, kann in beide Richtungen abgeklappt werden und hat hierbei immer die identische, mittige Parkposition unterhalb der Waffenseelenachse. Das Achsengehäuse ist bewusst schräg ausgestaltet, damit die Unterkante des Helmvisiers beim Aufsetzen ohne dessen Beschädigung nach unten abgleiten kann. Die Abbildung zeigt auch eine Pica-Optik-Schiene mit sog. Tunnel, welcher das konventionelle Visieren über das bekannte MP5-Diopter-Visier ermöglicht, sofern der Gegner sehr nahe oder die Optik ausgefallen sein sollte.

 

Abb. 16: Die bereits seit längerem verfügbare flache Helmschulterstütze[14] für etwas kürzere Helmvisiere; diese ist ebenfalls längenverstellbar.

 

Handschutzvarianten – inzwischen moderne Zubehör-Montageplattformen

 

Abb. 17 und 18: Der sog. HKey-Slim-Line-Handschutz aus Aluminium zeichnet sich durch absolute Spielfreiheit an der Waffe und hohe Modularität aus. Mittels der sog. Schlüssellochschnittstelle „HKey“ (Heckler & Koch–Key/Schlüssel), welche bereits beim Kommando Spezialkräfte (KSK), dem SEK-M (Kampfschwimmer) sowie im Rahmen des Projekts „Infanterist der Zukunft eS“ in Verbindung mit dem G36 und G36k bei der Bundeswehr eingeführt wurde, können punktuell Pica-Schienen-Abschnitte verschiedener Länge mit definiertem Drehmoment adaptiert werden. Der HKey unterscheidet sich von anderen Schlüsselloch-Schnittstellen durch relativ große Lochabstände, sehr stabile Wandstärken und mittels Wölbung erzeugtem Formschluss, welcher maximale Wiederholgenauigkeit für adaptierte Laser-Lichtmodule bietet. Ohne adaptierte Pica-Schienen-Abschnitte erzeugt der HKey-Handschutz eine sehr schlanke Außenkontur, vergleichbar mit dem herkömmlichen sog. BMI-Kunststoffhandschutz aus den 1960er Jahren.

 

Abb. 19: Diese Magazinhalteklammern für das Führen von zwei Magazinen an der Waffe und ermöglichen nicht nur einen extrem schnellen Magazinwechsel, sondern machen auch eine Magazintasche entbehrlich.

 

Die Gefahr lauert in der Dunkelheit 

Vor allem zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes mussten deutsche und alliierte Truppen sehr schnell die Erfahrung machen, dass Dunkelheit wohl einer der einsatztaktisch am meisten unterschätzten Faktoren war. Die Laufzeiten der Nachtsichtgeräte waren für relativ wenige (Ausbildungs-)stunden pro Jahr ausgelegt, nicht aber für den Dauerbetrieb über viele Nächte hintereinander. Neben dem enormen Mehrbedarf an Batterien war es vor allem die vergleichsweise geringe Lebensdauer der Restlichtverstärker und Wärmebildgeräte, die die Nachteinsatzfähigkeit gegenüber den Optionen bei Tageslicht erheblich beschränkte. Fieberhaft wurde daraufhin nachgerüstet. Heute stellt dieses Thema im militärischen Bereich kein schwerwiegendes Problem mehr da. 

 

Im polizeilichen Bereich kann man insofern von dieser militärischen Lernkurve nur profitieren, indem der Einsatz bei Nacht konzeptionell von Anfang an genauso adressiert wird wie der Tageinsatz. Die polizeiliche Einsatzrealität zeigt, dass sich einige Terror-Großlagen bis in die Dämmerung bzw. Nacht hinzogen oder bereits bei vollständiger Dunkelheit begannen. Die sog. Nachteinsatzfähigkeit und somit die Ausstattung mit Weißlicht-Lampen bzw. Laser-Licht-Modulen ist daher für jeden uniformierten PVB[15] in der First Responder-Rolle ebenso ein Thema wie für jeden Angehörigen der spezialisierten oder Spezialkräfte. Alleine unter Gesichtspunkten der „Arbeitssicherheit“ als besonders sensibler Bereich der Fürsorgepflicht des Dienstherrn ist es vollkommen alternativlos, dass die Bewaffnung und deren Zubehör den Beamten im Einsatz auch bei Dunkelheit zu allen taktischen Handlungen befähigt, welche er aufgrund seiner Ausrüstung auch am Tag durchführen kann.

 

Mündungsflammendämpfer – „einsatztaktischer Arbeitsschutz“

Schon während der 1980er und 1990er Jahre als führende US Navy and US Army Special Forces die MP5 insbesondere für Anti-Terror-Einsätze nutzten, erkannten insbesondere die Navy-Special Forces, dass die Pistolenpatrone 9mm x 19 selbst aus der MP5-Standardrohrlänge – je nach Munitions- bzw. Treibladungstyp – gerade bei Dämmerung und während der Nacht eine erhebliche Mündungsflamme zeigt. Bedenkt man, dass mindestens zwei der jüngeren Terror-Großlagen in Paris aber auch in Hannover sich bis in die Dunkelheit hinzogen bzw. stattfanden, hat dieses Thema große einsatztaktische Relevanz. Da die „First Responder“ in einer Terrorlage reguläre uniformierte Polizeikräfte sein werden und die Masse von ihnen noch immer mit MP5 ausgestattet ist, ist die Wahrscheinlichkeit eines länger anhaltenden Schusswechsels mit einem terroristischen Gegenüber in Dämmerung oder Dunkelheit sehr hoch. 

 

Der auf jede Standard-MP5 in Sekunden werkzeuglos adaptierbare Mündungsflammendämpfer kann daher die Überlebens- und Durchsetzungsfähigkeit der uniformierten First Responder-Kräfte massiv erhöhen, indem dem Angreifer die Aufklärung der Position des MP5-Schützen – ja nach Einzelfall-Szenario – massiv erschwert oder sogar unmöglich gemacht wird.

 

Abb. 20: Werkzeuglos montierbarer Mündungsflammendämpfer

 

Abb. 21:  Die leistungsgesteigerten MP5-Varianten sind mit nachtsichtbrillentauglichen Eotech- und Aimpoint-Reflexvisieren, einem Laser-Licht-Modul von Rheinmetall und entsprechenden Picatinny-Montage-Plattformen an Handschutz und Waffengehäuse ausgestattet. Gut zu erkennen ist an der rechten Waffe auch die Magazinhalteklammer, welche einen schnellen Magazinwechsel ermöglicht.

 

Fazit: Die MP5 ist eine grundsolide und daher äußerst langlebige Waffenplattform, bei welcher selbst durch nur punktuelles oder stufenweises Upgrade sehr hohe Leistungsgewinne erzielt werden können. Im Verhältnis zu einer aufwändigen Waffen-Neueinführung ist ein Midlife-Improvement der MP5 daher in wirtschaftlicher, logistischer und einsatztaktischer Hinsicht eine ebenso angemessene wie wirksame – und vor allem schnelle – Maßnahme.


[1] Der Autor ist öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Schusswaffen, Schalldämpfer und Munition ab 1848 und bei der Heckler & Koch GmbH als Prokurist in den Funktionen Leiter Produktstrategie und Leiter Sonderaufgaben tätig. Im Rahmen seiner Tätigkeit berät er u. a. seit über 15 Jahren militärische und polizeiliche Spezialkräfte, zwischen 2003 und 2013 schwerpunktmäßig US Special Forces im Zusammenhang mit deren Anti-Terror-Einsätzen in Afghanistan und dem Irak. Insbesondere seit den Terroranschlägen „Paris I“ und „Paris II“ ist er firmenseitig an waffen- und munitionsseitigen Konzeptionen und Beratungsdienstleistungen zu sog. polizeilichen „Mitteldistanzwaffen“ (MDW) maßgeblich beteiligt.

[2] Maschinen-Pistole-Lang

[3] Maschinen-Pistole-Kurz

[4] Vgl. Werbebroschüre „Submachine Gun HK9“, Heckler & Koch GmbH, Juli 1964

[5] Vgl. Werbebroschüre „Submachine Gun HK 54 – Cal. 9mm Parabellum and .38“, Heckler & Koch GmbH, 01.03.1965

[6] Vgl. Werbebroschüre „Submachine Gun HK 54 – Cal. 9mm Parabellum“, Heckler & Koch GmbH, 14.01.1966

[7] Vgl. Werbebroschüre „MP5/HK54“, Heckler & Koch GmbH, Juli 1966

[8] MLI steht für „Midlife Improvement“, dem englischen Fachbegriff für leistungssteigernde Konzepte zur Verlängerung der Nutzungsdauer von Handwaffensystemen.

[9] Neuester Konstruktionsstand trägt die HK-Ident-Nummer 214412

[10] Neuester Konstruktionsstand trägt die HK-Ident-Nummer 214328

[11] Neuester Konstruktionsstand trägt die HK-Ident-Nummer 214883

[12] Neuester Konstruktionsstand des vollständigen Verschlusses (Träger und Kopf mit Einzelteilen) trägt die HK-Ident-Nummer 214326

[13] HK-Ident-Nr. 217693

[14] HK-Ident-Nr. 979448

[15] Polizei-Vollzugsbeamten