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Die App „Polizeitutor“ – Lernen, wo’s lang geht

Der Polizeitutor – seit Februar 2026 im Einsatz. (Bilder: VDP)

Das Projektteam bei einem Testdurchlauf der App.

Übersicht zum StGB.

§ 223 StGB – Beispiel für einen Straftatbestand.

Quizaufgabe zu Tatbestandsmerkmalen.

VDP-Projektteam (v.l.): Eva Adelseck, Dominik Lehmanns, Ludger Isfort und Jens Hermann.

Dominik Lehmanns

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Dominik Lehmanns

Geschäftsführer im Verlag Deutsche Polizeiliteratur GmbH Buchvertrieb


Der Verlag Deutsche Polizeiliteratur GmbH Buchvertrieb (VDP) geht neue Wege und hat mit dem Polizeitutor eine digitale Lernwelt geschaffen. Das neu entwickelte Online-Tool setzt in Ausbildung und Studium an, nutzt die direkte Schnittstelle zum renommierten Polizei-Fach-Handbuch (PolFHa) sowie zu den VDP-Lehrbüchern und begleitet auch die ersten Schritte im späteren Berufsalltag.

Nach dem Launch des Polizeitutors im Februar des Jahres spricht die Redaktion der POLIZEIPRAXIS mit dem Geschäftsführer beim Verlag Deutsche Polizeiliteratur GmbH Buchvertrieb Dominik Lehmanns über die neue App und die damit verbundene Mission.


Redaktion: Sehr geehrter Herr Lehmanns, Sie haben gemeinsam mit einem Projektteam des Verlages die App „Polizeitutor“ aus der Taufe gehoben. Warum diese Hinwendung zu digitalen Medien? 

Dominik Lehmanns: Vor Beginn meiner Tätigkeit als Geschäftsführer beim VDP im August 2024 war ich lange Jahre in der Bildungsbranche unterwegs und weiß daher, dass Lernen immer digitaler wird. Bereits heute gehört der Einsatz Künstlicher Intelligenz zum Alltagsgeschäft. Entsprechend müssen auch wir mit der Zeit gehen, um die Lernenden bestmöglich flexibel, effizient und individuell zu unterstützen. Deshalb haben wir mit dem Polizeitutor eine Lernapp für die rechtlichen Fächer in Ausbildung und Studium zum Polizeidienst entwickelt, die im Februar 2026 an den Start gegangen ist. Wir wollten mit dem Projekt Lösungen und Angebote zur Bewältigung komplexer Zukunftsszenarien finden und neben die bisher tragenden Säulen des Verlages wie Polizei-Fach-Handbuch und VDP-Lehrbücher stellen.


Redaktion: Was können sich unsere Leserinnen und Leser unter dem Polizeitutor genau vorstellen? 

Dominik Lehmanns: Mit der mobilen App für iOS- und Android-Anwendungen und einer korrespondierenden Web-Applikation haben wir ein Online-Lerntool geschaffen, das Polizeianwärterinnen und -anwärter gezielt bei den Prüfungsvorbereitungen unterstützt. 

Zunächst geht es dabei um Rechtsfächer, da aufgrund der damit verbundenen schwierigen Materie zumindest zum Teil hohe Durchfall- und Abbrecherquoten einhergehen. 

Die jungen Menschen, die meist frisch aus der Schule in ihren Traumberuf bei der Polizei eintreten, sind mit einem Berg an Herausforderungen konfrontiert. Die große Menge an Stoff, das selbstregulierte Arbeiten und die juristischen Inhalte, mit denen sie in ihrem bisherigen Leben noch wenig bis keine Berührungspunkte gehabt haben, bringen selbst die Fleißigsten ins Straucheln. Zu unserer Mission gehört es, nachhaltig dabei zu helfen, die Rechtsprüfungen erfolgreich zu abzuschließen.

Im Februar 2026, also vor wenigen Wochen, haben wir das Modul Strafrecht freigeschaltet und befinden uns damit in der Anwendungsphase. Weitere rechtliche Fächer sollen bald folgen, beginnend mit Verkehrsrecht im Laufe des Jahres 2026.


Redaktion: Konnte sich das Projekt-Team bei der Entwicklung des Lerntools auf bestehende App-Modelle stützen? 

Dominik Lehmanns: Nein, es gehört gerade zu den Besonderheiten am Polizeitutor, dass er nicht auf bereits vorgefertigten Modellen aufbaut. Das VDP-Team hat sich mehrere Monate Zeit genommen, um die Anwärterinnen und Anwärter richtig kennenzulernen. Wir sind mit einer groß angelegten Umfrage gestartet und haben fast 500 Menschen befragt, die Ausbildung und Studium gerade hinter sich haben oder noch mittendrin stecken. Danach haben wir uns in mehreren kleinen Fokusgruppen mit den jungen Leuten zusammengesetzt, um in Gesprächen zu vertiefen, womit man ihnen wirklich helfen kann.

Ergänzend wurden knapp 20 Lehrende in kleinen Gruppen befragt. Die, die jeden Tag unterrichten und korrigieren, sind für das Team des Polizeitutors wertvolle Hinweisgeber. Sie wissen, wo die häufigsten Fehler passieren, mit welchen Tricks man sich noch Punkte sichern kann und wie man sich am besten durch den Stoff navigiert.

Auch didaktisch haben wir uns intensiv damit auseinandergesetzt, wie man die Inhalte am verständlichsten vermitteln kann. Im Team arbeiten eine Lernpsychologin und eine ehemalige Lehrerin. Zusätzlich haben wir uns einen Mann der Praxis an Bord geholt: Der Straf- und Eingriffsrechts-Professor Dr. Timo Torz von der Hochschule für Polizei und öffentliche Verwaltung NRW am Studienort Aachen verbrachte viele Stunden damit, aus seiner Lehrerfahrung heraus zu beraten, wie man jungen Leuten das Strafrecht strukturiert und verständlich näherbringt. 


Redaktion: Das hört sich nach einem umfangreichen und zugleich sehr systematisch angelegten Verfahren an. Sind Sie mit den erzielten Ergebnissen zufrieden? 

Dominik Lehmanns: Ja, denn herausgekommen sind spannende und passgenaue Lernfeatures. 

Mit dem Definitionsquiz werden beispielsweise die Lernenden beim Auswendiglernen von Definitionen unterstützt. Mit dem Abfragetrainer kann man per Spracheingabe KI-gestützt überprüfen, ob die Definitionen sitzen. 

Für prüfungsnahes Einüben sorgen viele Fallbeispiele mit zweierlei Lösung: Lernende, die sich bereits sicher im Bearbeiten von Fallbeispielen fühlen, können den Fall nach dem jeweiligen Schema lösen und sich anschließend anhand der Lösungsskizze im Polizeitutor selbst überprüfen. Wer sich noch unsicher ist, kann jeden einzelnen Sachverhalt im sogenannten Fallbeispielquiz Schritt für Schritt lösen. Dieses führt genau durch die Denkschritte, die man durchlaufen muss, um anschließend den Fall gutachterlich zu lösen. 

Die Fallbeispielquiz zu erstellen ist für unsere Fachabteilung im Übrigen der größte Aufwand, aber es lohnt sich für die Lernenden. 

Unser juristisches Lektorat wird bei der Produktion dieser Inhalte durch Künstliche Intelligenz unterstützt. Anders könnten wir diese Menge an Übungen gar nicht in dieser kurzen Zeit fertigstellen. Wichtig ist uns aber, dass keine Inhalte im Polizeitutor landen, die nicht abschließend von einem menschlichen Experten freigegeben werden. Nur so können wir eine große inhaltliche Qualität gewährleisten. KI unterstützt also, ersetzt aber nicht die Fachkompetenz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Redaktion: Wie gewährleisten Sie neben der Qualität die durchgehende Aktualität der Inhalte? 

Dominik Lehmanns: Qualität und Aktualität versprechen eine direkte Schnittstelle zum Polizei-Fach-Handbuch und die verlässlichen Inhalte der VDP-Lehrbücher. Zu den einzelnen Paragrafen findet man im Polizeitutor direkt die dazugehörigen Definitionen, Schemata, erklärenden Kommentare und Fallbeispiele – alles auf einen Blick. Sollten sich Normen oder Gesetze ändern, werden diese durch die Schnittstelle zum Polizei-Fach-Handbuch im Polizeitutor aktualisiert. 


Redaktion: Bietet die App auch Unterstützungsangebote, die über reine Fachinhalte hinausgehen? 

Dominik Lehmanns: Ja, denn es ist uns wichtig, dass man nicht nur weiß, was man lernen muss, sondern auch, wie man besser lernen kann. Neben lernpsychologischen Tipps und Hinweisen zu Strategien gegen Prüfungsangst, Lernmethoden, Lernmotivation und Selbststrukturierung finden die Lernenden auch lebenspraktische Tipps, wie zum Beispiel Informationen und Erklärungen zur optimalen Absicherung für Anwärterinnen und Anwärter von einem kompetenten Partner, dem Polizeiversicherer PVAG. Denn der Polizeitutor soll ja auch bei den ersten Schritten im praktischen Polizeileben begleiten.


Redaktion: Wo findet man die neue App und welche Kosten sind mit einem Abo verbunden?

Dominik Lehmanns: Man findet sie direkt auf polizeitutor.de und später auch in den gängigen App-Stores für einen Preis von 14,99 € im Monat. GdP-Mitglieder erhalten den Polizeitutor sogar zum Vorzugspreis von nur 8,99 €. Weitere Informationen gibt es für alle Interessierten auf der Homepage der App unter polizeitutor.de. 


Redaktion: Sehr geehrter Herr Lehmanns, wir bedanken uns für das Gespräch, werden die weiteren Schritte des Polizeitutors  gern verfolgen und darüber natürlich auch in unserer Zeitschrift berichten. Wir wünschen Ihnen, dem VDP-Team und dem Projekt viel Erfolg. 


Das Interview wurde vom Verantwort­li­chen Redakteur der Zeitschrift POLIZEI­­PRAXIS Hartmut Brenneisen geführt.