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Zwischen Strand und Streife: Ehrenamt im DLRG-Wasserrettungsdienst an der Küste

(Bilder: DLRG)

Ehrenamt im Wasserrettungsdienst an Nord- und Ostsee.

Der ehemalige Polizeibeamte Hartmut Vaje ist seit langer Zeit im Wasserrettungsdienst der DLRG tätig. Er wurde kürzlich für sein ehrenamtliches Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. (Bild: Christian Wese)

Asli Yörükoglu

Von Asli Yörükoglu, Bad Nenndorf

Die Autorin ist als Volontärin Angehörige der Verbandskommunikation im DLRG-Bundesverband.


Wenn andere Urlaub machen, beginnt für sie der Dienst: die Rettungsschwimmer im Zentralen Wasserrettungsdienst-Küste (ZWRD-K). Die ehrenamtlich Engagierten der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sorgen in den Sommermonaten an der Nord- und Ostsee dafür, dass Millionen Badegäste am und im Wasser sicher sind. Die Rettungsschwimmer halten an den Stränden stets die Augen offen und schreiten im Ernstfall sofort ein. Gerade an stark besuchten Stränden zeigt sich jedes Jahr, wie schnell aus Unachtsamkeit eine lebensbedrohliche Lage werden kann – aufgrund von Strömungen, aufkommendem Wind, Selbstüberschätzung oder gesundheitlichen Problemen. Auf aktuell über 80 Wasserrettungsstationen zwischen Borkum und Usedom werden die Einsatzdienste Jahr für Jahr koordiniert. Was viele nicht wissen: Unter den ehrenamtlichen Rettungsschwimmern finden sich auch zahlreiche Polizistinnen und Polizisten – Menschen, die sich sowohl beruflich als auch in ihrer Freizeit engagieren. 

Engagement jenseits des Berufsalltags

Einer von ihnen ist Hartmut Vaje (74), ehemaliger Polizeibeamter, der schon seit Jahrzehnten im Wasserrettungsdienst der DLRG tätig ist und kürzlich sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde. Das ehrenamtliche Engagement und der Dienst an der Küste waren für ihn stets ein Ausdruck von besonderer Verantwortung.

„Ich hatte als Kind ein traumatisches Erlebnis“, erinnert sich Hartmut. Bei einem Jugendzeltlager an der dänischen Nordseeküste erlebte er ein Unglück mit mehreren Kindern. „Da sind insgesamt sieben oder acht Kinder in Not geraten. Davon konnten vier gerettet werden und drei sind dort vor Ort verstorben.“ Dieses Erlebnis habe ihn nachhaltig geprägt. Später, als er selbst Verantwortung in der Jugendarbeit übernahm, habe ihn vor allem ein Gedanke begleitet: „Wenn ich jetzt verantwortlich für die Kinder bin, und mir passiert das, was mache ich?“ Für den ehemaligen Polizeibeamten war dies der entscheidende Impuls, sich zum Rettungsschwimmer ausbilden zu lassen.

Gut vorbereitet im Einsatz

Der ZWRD-K arbeitet unter Bedingungen, die wichtige Aspekte wie Sicherheit und Verlässlichkeit gewährleisten. Klare Zuständigkeiten, eingespielte Abläufe und eine funktionierende Kommunikation sorgen dafür, dass sich die Einsatzkräfte auf das Wesentliche konzentrieren können. Moderne Technik, die von Funkgeräten über ATVs bis hin zu Motorrettungsbooten reichen, unterstützten die Ehrenamtlichen dabei. Vielen aus sicherheitsrelevanten Berufen ist dieses Umfeld vertraut: Man weiß, wer wofür zuständig ist und arbeitet als Team verlässlich zusammen. Ähnlich wie im Streifendienst sind eine gute Beobachtung und Lageeinschätzung entscheidend. Fähigkeiten, die Polizistinnen und Polizisten bereits aus ihrem Berufsalltag mitbringen.

Auch Hartmut sieht Parallelen zwischen dem Polizeidienst und der Wasserrettung. Entscheidungen müssten häufig in kürzester Zeit getroffen werden, mit dem Blick auf die eigene Sicherheit ebenso wie auf die der Betroffenen. Dabei gilt ein Grundsatz, den er jungen Einsatzkräften immer wieder vermittelt: „Die eigenen Kräfte nicht überschätzen und die Naturgewalten nicht unterschätzen“.

Eine Zeit der Gemeinschaft und des Wiedersehens 

Viele Ehrenamtliche kehren Jahr für Jahr zurück an die Küsten Deutschlands. Die besondere Gemeinschaft ist ein wesentlicher Grund hierfür. Auf den Stationen arbeiten Menschen unterschiedlichster Altersgruppen und Berufe zusammen. Nach Dienstschluss wird gemeinsam gekocht, der Blick geht noch mal hinaus aufs Meer und ein Spaziergang gehört genauso dazu wie Gespräche über den Tag. Dadurch entstehen Freundschaften, die viele Helferinnen und Helfer schon seit Jahrzehnten wiederkehren lassen.

Diese besondere Verbindung bestätigt auch Hartmut. Viele Crews hätten sich über Jahre hinweg immer wieder gemeinsam für die nächste Saison verabredet. Das Miteinander reiche dabei weit über den eigentlichen Wachdienst hinaus. Man lerne voneinander, trage Verantwortung füreinander. Bis heute steht er mit zahlreichen ehemaligen Mitstreitern aus dem Wasserrettungsdienst in Kontakt.

Zum Mitwirken eingeladen

Der Wasserrettungsdienst der DLRG an der Küste ist ein starkes Zeichen für gesellschaftliche Verantwortung und gerade für Polizistinnen und Polizisten kann das Ehrenamt den Berufsalltag sinnvoll ergänzen. Es bietet die Möglichkeit, die eigenen Erfahrungen genau dort einzubringen, wo sie unmittelbar gebraucht werden. 

Wer körperlich fit ist, das Rettungsschwimmabzeichen Silber besitzt und ein bis zwei Wochen Zeit zwischen Mai und September mitbringt, kann ein Teil dieser wichtigen Gemeinschaft werden. Bedarf an weiteren Rettungsschwimmern besteht insbesondere unmittelbar vor und nach den Sommerferien. Das benötigte Rettungsschwimmabzeichen kann überall in Deutschland wohnortnah bei den Ortsgruppen der DLRG absolviert werden. Der Einsatz erfolgt im Rahmen eines „Rundum-Sorglos-Pakets“ mit kostenloser Unterkunft, Verpflegungspauschale sowie der vollständigen Erstattung der Fahrkosten ab einer Einsatzdauer von sieben Tagen. Die Dienste an den Stränden in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern erfolgen zumeist täglich in der Zeit von 9 bis 18 Uhr. Wer neugierig ist, seine Fähigkeiten einmal in einem anderen Kontext einzusetzen, ist eingeladen, den ZWRD-K auszuprobieren. Die Erfahrung zeigt: Oft bleibt es nicht nur bei einem Sommer. 

An Polizistinnen und Polizisten, die über ein ehrenamtliches Engagement nachdenken, aber noch zögern, appelliert Hartmut Vaje: „Nicht lange nachdenken, sondern learning by doing. Meldet euch beim Zentralen Wasserrettungsdienst an und seht, wo ihr dann hinkommt.“

Informationen

Alle Informationen sowie das Bewerbungsportal sind unter www.dlrg.de/zwrdk abrufbar. 

Bei weiteren Fragen ist das Team der DLRG telefonisch unter 05723 955 450 oder per E-Mail unter service(at)zwrdk.dlrg.de erreichbar.