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Lageinformations- und Stabssysteme – das Rückgrat zur Bewältigung von Großereignissen

Stabsraum Polizei

Staatsbesuch, Sportereignis, politische Demonstration, Geiselnahme oder Terroranschlag – Dreh- und Angelpunkt für die erfolgreiche Bewältigung von geplanten als auch überraschenden (Groß-)Lagen bilden die Führungsstäbe. Nicht selten werden Stabsräume noch immer von Pinnwänden und Flipchart-Ständern dominiert. Und als Arbeitsmittel dienen topographische Karten und Stadtpläne, gespickt mit Stecknadeln, handschriftlichen Markierungen und Notizen. Eine Lagedarstellung dieser Art ist höchst aufwändig, eher unübersichtlich und in großen Teilen inaktuell. Die heutigen, gewachsenen Anforderungen kann nur ein modernes IT-System zur Lage- und Stabsinformation erfüllen. Nur so lassen sich Großereignisse von der Planung und Reaktion bis zur anschließenden Auswertung wirksam und ohne Zeitverluste bewältigen.

 

Großlagen zeichnen sich durch überaus komplexe Einsatzbedingungen aus. Dem Führungsstab obliegen dabei die Koordinations- und Kontrollaufgaben nach innen und außen mit Weisungsbefugnis über alle unterstellten Einheiten und Kräfte. Entsprechend sind die Mitarbeiter des Stabes mit umfassenden und aktuellen Informationen zu versorgen, um zu einem Lagebild zu gelangen. So lassen sich Entscheidungen situationsgerecht und rasch treffen. Eine IT-gestützte Vernetzung aller Beteiligten gilt zwar bis heute vielerorts als konzeptionelle Herausforderung; sorgt aber für die entscheidende Informations-Transparenz bei allen Einheiten von Polizei, Feuerwehr, Rettungswesen und allen anderen im Einzelfall involvierten Organisationen.

 

Im koordinierten Einsatz müssen der geregelte Ablauf aller Maßnahmen und die Sicherheit der Beteiligten gewährleistet sein. Beginnend beim Einsatzabschnitt, der sich z.B. um Absperrungen kümmert, über Ermittlungsgruppen bis hin zu Dekontaminations-Standorten, Sperrzonen und Räumungsmaßnahmen: Stets sind Entscheidungen des Führungsstabes auf Basis gesicherter und dokumentierter Informationen gefordert. Ein Lageinformations- und Stabssystem kann hier die benötigte zentrale Unterstützung leisten.

 

Als Stand der Technik gilt ein auf Webtechnologie basiertes und individuell auf die bestehenden Prozesse anpassbares System. Die IT-Lösung sollte für eine einfache, organisationsübergreifende Nutzung konzipiert sein. Gleichzeitig muss sich die Lage samt Einsatzgeschehen in ihrer Komplexität intuitiv abbilden lassen. Jeder Stabsmitarbeiter mit PC oder Notebook und Netzzugang muss ad hoc Zugriff auf die für seine Stabsaufgaben entscheidenden Daten erhalten. Stabskommunikation, Organisationsstrukturen ohne Begrenzung der Hierarchieebenen und Ressourcenmanagement sind in einem Lageinformations- und Stabssystem funktional abzubilden. Da die Frage nach dem „Wo“ von hoher Relevanz ist, empfiehlt sich die Verarbeitung der raumbezogenen Daten über ein integriertes oder angebundenes Geographisches Informationssystem.

 

Zur Lagedarstellung genügen aber nicht nur digitale Karten und Luftbilder, auf denen taktische Zeichen frei platziert werden können. Auch Bilder und Videos sind unverzichtbare Informationsquellen, die in einem modernen Lageinformations- und Stabssystem Berücksichtigung finden sollten. Wichtige Dokumente wie Einsatzpläne, Aufgabenlisten mit Fristen, Berichte und eine Zeitleiste zum Einsatzgeschehen müssen sich im direkten Zugriff befinden. Verschiedenste Daten aus externen Quellen (z.B. Sensorinformationen, Personendatenbanken, Geodaten) sind gefragt und über Schnittstellen in das System einzubinden. Idealerweise sollte auch auf die Einsatzleitsysteme direkt zugegriffen werden können.

 

Die Bundespolizei verwendet ein idealtypisches Lageinformations- und Stabssystem moderner Prägung. Es dient als modulare Erweiterung des eigenen Einsatzleitsystems und ist ein Modul für das IT-unterstützte Informationsmanagement in Führungsorganen der Besonderen Aufbauorganisationen (BAO) der Bundespolizei. Das System bildet die wesentlichen Prozesse in Lagen ab: Einsatzdokumentation, Kräfte- und Einsatzmitteldisposition, Beurteilung und Planung von Einsatzlagen, Befehlsgebung, Visualisierung und Auswertung der Lagen. 

 

Als eine der größten Polizeiorganisationen in Europa hatte sich die Bundespolizei im Jahr 2014 für das System Intergraph Planning & Response von Hexagon Safety & Infrastructure entschieden. Rund 5.000 Mitarbeiter schulte die Bundespolizei in kurzer Zeit auf dem intuitiv bedienbaren System. Die Feuertaufe bestand das in die bundespolizeiliche IT-Landschaft integrierte System beim Treffen der G7-Finanzminister und -Notenbankchefs Ende Mai 2015 in Dresden sowie beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart Anfang Juni 2015.

 

Der anschließende G7-Gipfel in Elmau ebenfalls im Juni 2015 war das bislang umfangreichste von der Bundespolizei mit diesem System koordinierte Großereignis. Diese und ähnliche BOS-Lösungen von Hexagon kamen auch außerhalb Deutschlands zum Einsatz, zum Beispiel bei den Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs 2009 in L’Aquila (Italien), 2010 in Ontario (Kanada) und 2014 in Brüssel sowie jüngst bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

 

Text: Dr. Matthias Alisch

Bild: Polizei NRW

 

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