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„Music is the strongest drug of all”¹ Musik und Drogen – Eine lange Geschichte voller Beats und Trips

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Von Monika König2


Wer kennt das nicht? Die Lieblingsmusik läuft und ein Gefühl von Glück breitet sich aus. Schuld ist der Neurotransmitter Dopamin (gerne „Glückshormon“ genannt). Er wird bei  Genuss von Musik und Drogen ausgeschüttet. Bei Musikschaffenden entfacht beides kreative Höhenflüge, Zuhörende schaukelt beides bis in tranceartige Sphären hoch. Je nach Musikstil finden sich verschiedene Drogen wieder – mal werden Drogen gefeiert, mal wird gewarnt. Aber: Hielten Drogen erst mit den Hippies Einzug in die Musikwelt und waren Hippies wirklich die Schlimmsten?

Berlioz: Ur-Hippie der Klassik?

Im 19. Jahrhundert war Opiumkonsum beliebt – auch bei Komponist Hector Berlioz. Seine „Symphonie fantastique“ erzählt vom Liebeskummer des Protagonisten, der wegen verschmäht geglaubter Liebe zu Opium greift und in einen tiefen Schlaf voller wilder Visionen fällt – bis hin zum Gang zur eigenen Hinrichtung. 1969 nannte Leonard Bernstein dieses Werk die erste psychedelische Symphonie der Geschichte, die erste musikalische Beschreibung eines drogeninduzierten Rauschzustandes – geschrieben 1830, also 130 Jahre vor den Beatles. Ein klarer Beweis: Musik und Drogen gehören zusammen – und das schon lange! 

Hippie-Vibes & harte Realität

Bis Mitte der 1960er-Jahre wurden Drogen eher missbilligend in den Genres Jazz und Blues erwähnt. Doch mit dem Einzug der Beatles und Rolling Stones in die Musikwelt wurde das Thema plötzlich unüberhörbar. Vor allem LSD glänzte in den Songtexten als bewusstseinserweiternde Wunderdroge. 


Woodstock 1969 – „White Rabbit“ 


Ein unvergesslicher Höhepunkt der Hippie-Ära: das legendäre Woodstock-Festival 1969, wo Jefferson Airplane‘s „White Rabbit“ zur Hymne für Liebe, Frieden und LSD wurde. 


Mother‘s Little Helper 


Mit „Mother’s Little Helper“ lieferten die Rolling Stones eine scharfe Abrechnung darüber, wie Valium zum Geheimtipp für die perfekte Hausfrau wurde. Denn Psychopharmaka wurden damals zur schnellen Lösung für psychische Probleme verschrieben. Noch heute steht der Ausdruck „Mother’s Little Helper“ als Synonym für alle Arten von Tranquilizern.

Bewusstseinserweiterung und selbstzerstörerische Aspekte

In den 1970er-Jahren rückten Heroin und Kokain ins Rampenlicht – vor allem in der Rock- und Punkszene. Sie brachten einen selbstzerstörerischen Drogenkonsum mit sich. Lou Reed schilderte in seinem Song „Heroin“ eindrucksvoll die Flucht aus der Realität, die schnell zur Abhängigkeit wird und nur der Gedanke an den nächsten „Schuss“ das Leben bestimmt.  Dagegen waren die Hippies fast brav.

RAP-Musik in der Hip-Hop-Kultur

Auch in den 1970ern brodelte es in den New Yorker Slums: Aus dem heißen Pflaster entstand Rap – der wie u.a. der Breakdance das Herzstück der heute größten Jugendkultur, dem Hip-Hop, ist. Rap war damals ein verzweifelter, aber friedlicher Hilfeschrei gegen soziale Ungerechtigkeit und Straßengewalt. Mit den Jahren wuchs die Szene und Subgenres entstanden, die bis heute Drogen aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Marihuana steht dabei klar im Rampenlicht. Danach folgen Klassiker wie Kokain, Crack und die Partydroge Ecstasy (MDMA).

EDM – pulsierende Ekstase

Elektronische Tanzmusik, kurz EDM, ist eine der dynamischsten Musikrichtungen unserer Zeit – entstanden aus den elektronischen Klängen der 1980er-Jahre und heute auf gigantischen Festivals weltweit vertreten. Zu den Subgenres zählen u. a. Techno, House, Trance, Dubstep und Psytrance. Alle eint das Ziel, den Körper in Bewegung zu bringen und die Sinne in tranceartige Zustände zu führen.


EDM ohne Ecstasy? 


Kaum vorstellbar, denn kaum eine Droge ist so eng mit dieser Szene verknüpft. Seit den 1980er-Jahren hat sich MDMA, auch als Ecstasy oder Molly bekannt, als Herzschlag der Rave-(EDM-Tanzparty)-Kultur etabliert und versetzt Menschen in euphorische Zustände voller Offenheit, Verbundenheit und extremer Tanzenergie. MDMA steigert das Gemeinschaftsgefühl und lässt Musik intensiver wirken. 


Gefahr – Polydrogenkonsum 


Doch die Kehrseite ist real: Überdosierungen, Dehydrierung oder riskanter Mischkonsum – besonders in Verbindung mit Alkohol –

sind keine Seltenheit. Knapp die Hälfte der negativen Drogenerfahrungen bei EDM-Events sind auf Polydrogenkonsum zurückzuführen.

Psytrance: Die Hippies von heute

Psytrance ist eine entspannte Ecke der EDM-Welt. Mit Wurzeln in der Hippiebewegung von Goa dominieren hier LSD und Magic Mushrooms – weniger Turbo-Ecstasy, mehr spirituelle Reise. Meist wird in rituellen, gemeinschaftlichen Settings gefeiert. Im Vergleich dazu ist der Mainstream-EDM oft ein Highspeed-Trip mit höheren Dosen und riskantem Mischkonsum. Auch die Hippies heute sind somit eher brav.


Ozora – das Woodstock von heute 


White Rabbit erklang 1969 als Hymne für Liebe, Frieden und LSD und lebt heute in Psytrance-Versionen, zum Beispiel auf dem Ozora Festival, weiter.

Das wilde 21. Jahrhundert

Eine US-Studie  deckt auf: 5-mal mehr Drogen in Songtexten im 21. Jahrhundert! Ausgewertet wurden die TOP 40 Songs ab 1960.


 

  1. Steven Tyler – Leadsänger von Aerosmith.
  2. Monika König ist technische Redakteurin bei der Firma Securetec Detektions-Systeme AG in Neubiberg bei München.
  3. Christenson, P. G. et al. (2019), What has America been singing about?, Psychology of Music, Vol. 47.

 

 

PCP – Angel Dust (Engelsstaub): schöner Name – bittere Gefahr


Phencyclidin (PCP) wirkt stärker und länger als Ketamin – und ist höchst unberechenbar. Es kann stimulieren, Schmerzen dämpfen oder Halluzinationen auslösen. Die Wirkung hängt stark von Dosis und Stimmung ab: Kleine Mengen machen benommen und euphorisch, höhere Dosen führen zu Schmerzunempfindlichkeit, steigern das Verletzungsrisiko und können extreme Halluzinationen hervorrufen. Häufig kommt es zu plötzlicher Aggression – bis hin zu Selbstverletzungen oder Angriffen. Selbst Todesfälle sind bekannt. 

Strukturell ist PCP mit Ketamin verwandt. Beide wirken als Antagonisten des N-Methyl-D-Aspartat (NMDA)-Rezeptors.

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