Systemhaus der Drohnenabwehr
Interview mit Sven Steingräber, Co-Founder und Geschäftsführer Vertrieb der Argus Interception GmbH
Redaktion: Sehr geehrter Herr Steingräber, wann und mit welcher Vision wurde die Argus Interception GmbH gegründet?
Sven Steingräber: Die Argus Interception GmbH wurde 2023 aus dem Projekt „Falke“ der Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr Hamburg (HSU) gegründet. Dieses Projekt fokussierte sich auf den automatisierten Drohnen-Abfangprozess an einem Flughafen. Schon dabei wurde klar, dass die entwickelte Technologie eine wichtige Lücke im Markt schließen kann, allerdings noch nicht vollständig ausgereift war. Die Idee war es, ein System an den Markt zu bringen, das Drohnen sicher und automatisiert bekämpfen kann. Mit der Gründung konnten wir die Technologie auf ein neues Niveau heben.
Durch zahlreiche Tests mit unterschiedlichen Sensoriken haben wir uns inzwischen ein umfassendes Knowhow aufbauen können, um den Drohnenabwehr-Prozess ganzheitlich anzugehen. Neben dem konkreten Abfangvorgang muss auch die Detektion sowie Klassifizierung im Fokus stehen. Wir leiten aus konkreten Einsatzerfahrungen und begleitenden Gesprächen ab, dass wir uns nicht nur auf den Effektor begrenzen können. Daher verstehen wir uns als Systemhaus der Drohnenabwehr.
Redaktion: Wer steht hinter Ihrem Unternehmen?
Sven Steingräber: Die Gründer der Argus Interception GmbH verfügen als ehemalige Offiziere des Militärs über ein fundiertes Wissen in allen Bereichen der Sicherheit. Wir sind ein hochmotiviertes und lösungsorientiertes Team.
Redaktion: Wie beurteilen Sie die aktuelle Bedrohungslage in Deutschland und welche zukünftigen Herausforderungen sehen Sie für Ihr Unternehmen?
Sven Steingräber: Die Bedrohungen in Deutschland als auch weltweit sind nahezu identisch. Die Drohnentechnologie entwickelt sich rasant weiter, und neue Bedrohungsszenarien sind längst Realität geworden. In Kriegseinsätzen haben Drohnen einen gewaltigen Innovationssprung gemacht, aber auch im Alltag nehmen Drohnenaktivitäten und damit verbundene Gefahren deutlich zu.
Die zahlreichen Überflüge und hybriden Bedrohungen, die derzeit in Deutschland festzustellen sind, machen es notwendig, intelligente Systeme wie unseres in den Einsatz zu bringen. Wir müssen uns dieser Gefahrenlage stellen und die richtigen Gegenmaßnahmen treffen.
Drohnenabwehr bedeutet in diesem Kontext, dass ein effektiver und effizienter Mix aus Sensoren- und Effektor-Systemen eingesetzt wird, um auf die vielfältigen Bedrohungen angemessen reagieren zu können. Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der C-UAS-Fähigkeiten ist essenziell, um mit der stetigen Drohnenevolution schritthalten zu können.
Redaktion: Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit Partnern wie der HSU, und welche wissenschaftlichen Erkenntnisse fließen in Ihre Weiterentwicklung ein?
Sven Steingräber: Wir vergeben gezielt Forschungsaufträge an die HSU, um die Funktionalität und Leistungsfähigkeit unserer Systeme kontinuierlich zu verbessern. Diese Forschungskooperation ermöglicht es uns, innovative Lösungen zu verfolgen und bestehende Technologien gezielt weiterzuentwickeln, um den Anforderungen der Praxis umfassend gerecht zu werden.
Die Zusammenarbeit mit akademischen Partnern ist für uns sehr wichtig. Durch diese Partnerschaften können wir neue Technologien effektiv und effizient in unsere Systeme integrieren und gleichzeitig komplexe technische und operationelle Herausforderungen wissenschaftlich beleuchten. Wir nutzen diese Kooperationen um sicherzustellen, dass wir stets an der Spitze technologischer Entwicklungen stehen und unseren Kunden bestmögliche Lösungen anbieten können.
Redaktion: Wie funktioniert Ihre Technologie zum Abfangen unbefugter Drohnen genau?
Sven Steingräber: Wir haben eine automatisierte Netzabfangdrohne entwickelt, die andere Drohnen sicher mit einem Netzwerfer bekämpfen kann. Die Drohne interagiert mit einer Bodenkontrollstation und der Bodensensorik, die eine Gefahr in der Luft detektiert und ihr diese 3D-Daten übermittelt. Der Argus Interceptor lässt sich leicht in bereits bestehende Sensoriken integrieren oder wir liefern ein komplettes System.
Sobald die Daten an den Interceptor übermittelt werden, startet die Drohne den Flug. Dort verifiziert sie das angewiesene Ziel mit der eigenen Bordsensorik. Sobald dies geschehen ist, beginnt der Abfangprozess und die Drohne benötigt keine weiteren Daten der Bodenkontrollstation.
Unsere Drohne ist in der Lage, illegal verwendete Drohnen zu verfolgen und einzufangen oder sich bei größeren, schnell anfliegenden Drohnen in den Weg zu stellen. Standard-Drohnen können eingefangen, sicher transportiert, abgelegt und bei Bedarf forensisch nachuntersucht werden. Das gezielte Ablegen ist dabei zur Beweisaufnahme für den Sicherheitsprozess von entscheidender Bedeutung. Dieses Verfahren ist derzeit ein Alleinstellungsmerkmal am Markt.
Redaktion: Ihre Abfangdrohne scheint vor allem für den Schutz kritischer Infrastruktur geeignet zu sein. Welche weiteren Anwendungsbereiche sehen Sie und können Sie ein Beispiel für den möglichen Einsatz Ihres Systems durch die Polizei nennen?
Sven Steingräber: Die Einsatzszenarien sind weitaus vielfältiger als nur der Schutz kritischer Infrastrukturen. Unsere Technologie bietet eine breite Palette an Anwendungsmöglichkeiten, die über den stationären Einsatz hinausgehen und auch dynamische Szenarien umfassen kann. Unsere Lösung zeichnet sich insbesondere durch ihre hohe Mobilität aus, was zu flexiblen und vielseitigen Einsatzmöglichkeiten führt.
So können beispielsweise auch Transportdrohnen abgefangen werden, etwa um den Drogenhandel zu bekämpfen. Weitere Einsatzszenarien umfassen den temporären Schutz von Großveranstaltungen oder die Abwehr von Drohnenstörungen im Rahmen polizeilicher Einsätze. Dies reicht von der Sicherung von Gefahrguttransporten über den Schutz bei Demonstrationen bis hin zur Unterstützung bei Razzien.
Auch zum Schutz der Außengrenzen, von besonderen polizeilichen Operationen oder zur Spionageabwehr kann unser System effektiv genutzt werden.
Redaktion: Auch bei Großveranstaltungen steigt die Gefahr von unzulässigen Drohneneinsätzen. Kann Ihr System in diesem Kontext die Sicherheitslage verbessern?
Sven Steingräber: Bei großen Menschenansammlungen können durch illegale Drohneneinsätze erhebliche Gefahren entstehen. Mit unserem System soll die unbefugt verwendete Drohne allerdings gar nicht erst in den engeren Veranstaltungsbereich eindringen können. Es wird eine Art virtueller Zaun gezogen, den die Drohne bewacht. Sollte sich eine Drohne diesem Zaun nähern, so ist unser System in der Lage, diese in der Luft einzufangen und sicherzustellen.
Redaktion: Welche Schulungen bietet Ihr Unternehmen für Nutzer der Systeme an?
Sven Steingräber: Die Argus Interception GmbH verfolgt einen praxisorientierten Ansatz bei der Schulung der Nutzer. Derzeit sind noch keine spezifischen Schulungsprogramme finalisiert, jedoch wird angestrebt, die Nutzer umfassend in der Handhabung der Drohnen zu schulen. Ziel ist die Gewährleistung einer effizienten und sicheren Bedienung der Drohnensysteme, unabhängig vom jeweiligen Einsatzszenario.
Die Gestaltung der Schulungsinhalte und -methoden hängt dabei maßgeblich von der jeweiligen Systemarchitektur ab. Insbesondere wird unterschieden, ob die Drohne in einem Command-and-Control (C2)-System integriert ist oder ob eine Stand-Alone-Lösung zum Einsatz kommt. Bei der Verwendung eines C2-Systems sind zusätzliche Schulungsaspekte erforderlich, um die Kommunikation und Koordination innerhalb eines vernetzten Systems zu gewährleisten, während bei Stand-Alone-Lösungen die Fokussierung auf die autonome Bedienung und die direkte Steuerung im Vordergrund stehen.
Redaktion: Welche Vorteile sehen Sie in dem Interceptor gegenüber anderen Lösungen auf dem Markt?
Sven Steingräber: Wir sind der Überzeugung, dass in Zukunft ein Kampf Drohne gegen Drohne stattfinden wird. Mit unserem System haben wir eine hervorragende Lösung entwickelt, um eine unbefugt eingesetzte Drohne sicher physisch einzufangen. Dieser automatisierte Vorgang bindet einerseits wenig Personal und bietet andererseits durch das KI-basierte System eine sehr hohe Abfangwahrscheinlichkeit.
Unsere Abfangdrohne ist äußerst effektiv gegen illegal verwendete Drohnen und die Möglichkeit, dass wir eingefangene Drohnen sicherstellen können, macht unser System derzeit einzigartig am Markt.
Durch den modularen Aufbau ist unser System skalierbar und vielseitig einsetzbar. Von zeitlich begrenzten bis hin zu länger andauernden Einsätzen kann unser System im Fahrzeug, Container oder als fixe Installation genutzt werden.
Unsere Lösung verfügt über einen Effektor (Netzwerfer), der es ermöglicht, die in einen Sicherheitsbereich eindringenden Drohnen zu neutralisieren und dies forensisch zu dokumentieren.
Redaktion: Die Abwehr von Drohnen wirft oft Fragen zur Rechtslage auf, vor allem im Hinblick auf Aspekte der Privatsphäre und Luftverkehrsordnung. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Systeme im rechtlich zulässigen Rahmen eingesetzt werden?
Sven Steingräber: Die Argus Interception GmbH legt großen Wert auf die Einhaltung bestehender Datenschutzvorgaben sowie luftfahrtrechtlicher Regularien. In allen Bereichen des Unternehmens wird gewährleistet, dass sowohl gesetzliche Vorschriften als auch branchenspezifische Standards strikt eingehalten werden. Höchste Sicherheits- und Vertraulichkeitsstandards werden garantiert.
Unsere hochentwickelte Sensorik- und Kameratechnik ist speziell auf die jeweiligen Szenarien abgestimmt. Dies ermöglicht eine optimale Anpassung der Technologie an die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Mission und stellt sicher, dass die Systeme zuverlässig und präzise arbeiten.
Zudem suchen wir aktiv den Dialog mit der Öffentlichkeit und demonstrieren unsere Fähigkeiten durch gezielte Medienpublikationen, um Transparenz zu schaffen und das Vertrauen in unsere Technologie zu stärken.
Redaktion: Die Drohnentechnologie entwickelt sich rasant weiter. Wie sehen Sie die Zukunft der Drohnensicherheit?
Sven Steingräber: Aus unserer Sicht wird sich die Drohnenabwehr in Richtung eines automatisierten Prozesses entwickeln. Da die Reaktionszeiten immer kürzer werden, wird ein möglichst geringer Personaleinsatz angestrebt.
Eine besondere Gefahr sehen wir darin, dass die Drohnentechnologie für nahezu jede Person zugänglich ist. Die Entwicklungsschritte sind vergleichbar mit denen in der Halbleiterindustrie: Schneller, kleiner, günstiger!
Zur Bekämpfung dieser unterschiedlichen Gefahren ist ein Mix aus Sensoren und Effektoren notwendig. Kein System ist derzeit in der Lage, alle Arten von Bedrohungen aus der Luft zu bekämpfen. Allerdings können wir mit unserem System einen bedeutenden Beitrag zu dieser anspruchsvollen Aufgabe leisten.
Redaktion: Welche langfristigen Ziele verfolgt die Argus Interception GmbH?
Sven Steingräber: Wir verstehen uns als langfristigen und verlässlichen Partner der Sicherheitsbehörden und der Sicherheitsindustrie. Wir wollen einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der kritischen Infrastruktur im In- und Ausland leisten und uns als Systemhaus der Drohnenabwehr etablieren.
Redaktion: Sehr geehrter Herr Steingräber, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen und der Argus Interception GmbH viel Erfolg – nicht zuletzt im Interesse der Sicherheit unserer Bürger.
Das Interview wurde vom Verantwortlichen Redakteur der Zeitschrift POLIZEIPRAXIS Hartmut Brenneisen geführt.





