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MapTrip 112 für die Polizeipraxis – Nicht automatisch gut. Qualitätsmerkmale polizeilicher Einsatznavigation

Die Einsatznavigation von MapTrip 112 lässt sich nach lokalen Vorgaben editieren. (Bilder: Infoware GmbH)

Auszug aus einer Simulationsstudie von Tim Hallstein et al., Universität Frankfurt a.M., 2024

Thomas Schulte-Hillen

Von Thomas Schulte-Hillen

Der Autor ist Inhaber und Geschäftsführer der infoware GmbH.


Qualitätsunterschiede in der Blaulichtnavigation werden in der Regel erst in realen Einsatzsituationen sichtbar. Das hat einen Grund: Die beste softwaregestützte Navigation ist nur so gut, wie sie sich im Einsatz anpassen lässt. Automatisierung und Praxis definieren Qualität. Deshalb stellt sich für viele Dienststellen die Frage, woran sich vorab erkennen lässt, ob eine Einsatznavigation tatsächlich unterstützt.

Als Hersteller von MapTrip 112 entwickeln wir seit vielen Jahren spezialisierte Navigationslösungen für Polizei und Feuerwehr, für Versorgungsbetriebe und gewerbliche Nutzfahrzeuge. Während es im gewerblichen Verkehr häufig um Minuten geht, entscheiden im polizeilichen Einsatz oft Sekunden über die Qualität des Einsatzergebnisses. Entsprechend hoch sind die Anforderungen an Routing, Datenbasis und Systemverhalten.

Aus der jahrelangen Praxis können wir fünf Kriterien für die Leistungsfähigkeit einer Blaulichnavigation für die Polizei ableiten. Allen Kriterien ist gemeinsam, dass auch bei bester Datenlage der menschliche Eingriff möglich sein muss.

Kartendatenqualität und die Abdeckung der Wege-Realität

Die Basisdaten von Anbietern wie TomTom, HERE oder OpenStreetMap bilden einen wichtigen Ausgangspunkt. Für den Einsatz unter Sonderrechten reicht dieser Standard jedoch nicht aus. Entscheidend ist, ob die Navigation zusätzliche Wege und Bereiche korrekt abbildet, darunter: 

  • Busspuren und Sonderfahrstreifen 
  • Feuerwehr- und Rettungszufahrten 
  • Anliegerstraßen, Innenhöfe, rückwärtige Erschließungen 
  • Radwege 
  • Fußgängerzonen und temporär gesperrte Bereiche 
  • schwer auffindbare Gebäudeeinfahrten

Die Qualität der Daten zeigt sich also insbesondere daran, wie vollständig diese Sonderwege berücksichtigt und in das Routing integriert werden.

Automatische Routinglogik ist wertvoll – erreicht aber niemals das Niveau echter Ortskenntnis. Deshalb sollte eine hochwertige Einsatznavigation Möglichkeiten bieten, lokale Gegebenheiten gezielt zu ergänzen und anzupassen, die sogenannte Detour-Funktion.

Über Funktionen wie einen Detour-Editor lassen sich unter anderem folgende Anpassungen vornehmen: 

  • Sperrungen oder Freigaben einzelner Straßen 
  • temporäre Baustellenabschnitte 
  • neu hinzugefügte Wege oder Zufahrten 
  • lokale Geschwindigkeitsanpassungen 
  • zentrale Pflege und automatische Verteilung auf alle Einsatzfahrzeuge

Ob zum Beispiel ein Radweg für den Einsatz genutzt werden kann, entscheidet die Einsatzleitung vor Ort. Eine Einsatznavigation ist also nur dann praxistauglich, wenn diese individuellen Anpassungen einfach umsetzbar und dauerhaft konsistent gehalten werden können.

Steuerbarkeit der Blaulicht-Regeln

Für polizeiliche Einsätze ist entscheidend, dass definierbar bleibt, nach welchen Regeln das System routet. Dazu zählt insbesondere: 

  • Dürfen Einbahnstraßen in Gegenrichtung befahren werden? 
  • Sind Busspuren zulässig? 
  • Darf über Anliegerwege oder gesperrte Abschnitte geroutet werden? 
  • Welche Abweichungen von der StVO sind im jeweiligen Szenario vorgesehen?

Diese Regelwerke müssen durch die Leitstelle konfigurierbar und transparent nachvollziehbar sein. Die Navigation darf bei der Ausübung von Sonderrechten unterstützen – aber nicht autonom festlegen, was im Einsatz erlaubt ist.

Systemische Stabilität und operative Resilienz

Das System sollte insgesamt offline verfügbar sein und auch noch funktionieren, wenn Mobilfunk und Internet ausgefallen sind.

Neben dieser systemischen Resilienz ist aber auch die visuelle Nutzerführung eine Garantie für Stabilität im Einsatz, wenn es auf den Menschen ankommt. Dazu gehören: 

  • visuelle Klarheit 
  • ein verständliches Karten-Design 
  • schnelle Neuberechnung 
  • eindeutige Nutzerführung

Gerade im städtischen Umfeld oder bei komplexen Objektlagen zeigt sich, wie zuverlässig und reaktiv die Software arbeitet.

Integration in Leitstelle und Fahrzeugumgebung

Eine moderne Blaulichtnavigation ist selten ein isoliertes System. Entscheidend ist, dass alle Komponenten – Leitstelle, Fahrzeuge, Peripheriesysteme – auf derselben Datengrundlage arbeiten.

Zu den zentralen Anforderungen gehören: 

  • fehlerfreie Synchronisation aller Daten zwischen Leitstelle und Fahrzeug 
  • sofortige Verfügbarkeit geplanter Routen im Einsatzfahrzeug 
  • zeitnahe Übertragung der Fahrzeugbewegungen zurück in die Leitstelle 
  • technische Offenheit für Integration in bestehende Leitstellen-Software oder Einsatzleitsysteme, bis hin zum Betrieb des gesamten Backends in einem Rechenzentrum der Polizei

Je reibungsloser die Navigation eingebettet ist, desto zuverlässiger ist das Gesamtsystem.

Wie eine optimierte Integration in Drittsysteme aussieht, lässt sich am Beispiel ALEA der Firma GERMANTRONICS sehen. Durch die Bereitstellung eines SDK kann MapTrip 112 als Navigationskomponente in das System integriert werden. ALEA bringt die Navigation dann direkt ins Fahrzeug – wahlweise auf das Seriendisplay oder über ein separates, abgesetztes Display. Die Einsatzdaten werden dabei per SDS oder Mobilfunkverbindung von der Leitstelle an das Fahrzeug übermittelt, sodass die Zielführung unmittelbar durch die Besatzung gestartet werden kann. Die Integration in die jeweilige Gesamtlösung ermöglicht ein einheitliches User Interface und vermeidet den Wechsel zu einer separaten Navigationsapplikation. Zudem können die Komponenten eines Streifenwagens – etwa Funkgerät, Sondersignalanlage und Fahrzeug – miteinander verknüpft werden, wodurch übergreifende Regeln und Logiken realisierbar sind.

Die Hoheit über das Blaulichtrouting verbleibt dabei jederzeit beim Nutzer und wird nicht automatisch mit dem Aktivieren des Blaulichts eingeschaltet. Durch eine gezielte Aktion entscheidet der Anwender bewusst, dass Sonder- und Wegerechte in die Navigation einbezogen werden und die Navigationsanweisungen mit der erforderlichen Sorgfalt und Umsicht umzusetzen sind.

Überprüfbarkeit der Qualität

Lässt sich feststellen, ob eine Blaulichtnavigation tatsächlich schneller ist? Es ist der ultimative Test, ob Automatisierung und Anpassbarkeit sich gegenseitig stützen, denn nur die Praxis zählt. Simulationen und Vergleichsstudien können Orientierung geben. Eine Untersuchung der Universität Frankfurt a.M. verglich Standard-Navigationen mit unserer spezialisierten Einsatznavigation MapTrip 112 in typischen urbanen Szenarien. Die Ergebnisse zeigten signifikante Vorteile: Insbesondere werktags und in dicht bebauten Gebieten können deutliche Zeitvorsprünge erreicht werden. In der Praxis bedeutet das unter Umständen mehrere Minuten schnelleres Eintreffen am Einsatzort.

Für Dienststellen ist daher wichtig: Die tatsächliche Wirkung einer Navigation sollte messbar und testbar sein – idealerweise anhand realistischer Einsatzszenarien.

Verlässliche Navigation als taktischer Vorteil

Für polizeiliche Einsätze ist Navigation nicht nur ein technisches Hilfsmittel, sondern auch ein taktischer Faktor. Die Qualität zeigt sich daran, ob das System:

  • vollständige und relevante Kartendaten liefert
  • Ortskenntnis digital abbilden kann
  • unter klaren und nachvollziehbaren Regeln routet
  • schnell und stabil reagiert
  • sich nahtlos in Leitstellen- und Fahrzeugsysteme integriert
  • eine Leistungsfähigkeit nachweislich belegen lässt

Das gelingt nur im Zusammenspiel von automatisierten Komponenten und menschlichem Eingriff.

Das wird sich auch bei der nächsten Generation der Einsatznavigation nicht ändern, an der wir bereits arbeiten. Einsatznavigation wird natürlich von Entwicklungen in der Künstlichen Intelligenz profitieren. Hier ist der Blick zum Nachbarn Niederlande hilfreich: Dort arbeitet man bereits daran, dass eine Navigation aus tatsächlichen Einsatzfahrten lernt, um noch praxisnähere Routen vorzuschlagen. Gerade an der Speerspitze der Systementwicklung ist diese Lernfähigkeit einer der wichtigsten Kriterien für Qualität.

Eine Blaulichtnavigation, die diese Kriterien erfüllt, unterstützt nicht nur die Anfahrt, sondern verbessert auch die gesamte Einsatzdurchführung. Vom ersten Alarm bis zur Lagebewältigung.